Ausfuehrlicherer Bericht unserer Wanderung auf dem Kungsleden in schwedisch Lappland im Rahmen des FjällRäven Classic.
Ziel war es, die 110 km Strecke im Hochland oder besser gesagt im Fjäll auf durchschnittlich 800m in 3,4, oder 5 Tagen zurueckzulegen. Gepäck wird selbst geschleppt, sprich: Klamotten, Zelt, Kochgeschirr und Essen plus persönliche Sachen. Essen und Benzin bzw. Gas wurde von FjällRäven gestellt und konnte unterwegs an 2 Checkpoints aufgetankt werden.

Wir fuhren am Donnerstag 15 Uhr in Gussvattnet los, nachdem wir schon seit 5 Uhr arbeitstechnisch auf den Beinen waren, aber bis hinter Jokkmokk schafften wir es dennoch. Unterwegs die ersten Rentiere und ein schöner Sonnenuntergang. Einen Zeltplatz am See fanden wir nach kurzem Suchen und auch die zahlreichen Muecken fanden uns!
Am nächsten Morgen weiter Richtung Kiruna. Nach 2,5 Std. erreichten wir unser Ziel und steuerten erstmal einen Autoglaser an um unsere Heckscheibe erneuern zulassen. Ging alles gut, nach 4 Stunden und knapp 600 Euro leichter konnten wir wieder durch den Rueckspiegel ins ”Freie” blicken. Dann ab zum Zeltplatz ”Camp Ripan”, Essen und Benzin gebunkert und Zelt aufgebaut. Um 19 Uhr hiess es dann Sophia und Georg vom Flugplatz abholen. Mit ihnen kamen noch ca. 200 zum grossen Teil dt. Wandersleute aus Berlin/ Stockholm mit. Daraufhin kamen uns die ersten Bedenken, dass es vielleicht doch nur ne grosse ”Globetrotter-Modenschau” wird…., naja einkaufen und zurueck zum Zeltplatz noch die Bierreserven vernichten und schwupps sieht man andere Neuruppiner/ Berliner. Den Abend bei Lästerei ueber Bautzner mit WoMobil und Hasseröder oder berliner BMW- Fahrer mit Dachzelt ausklingen lassen.
Am Sonnabend morgen 10 Uhr im Bus nach Nikkaluokta zum Start. Wir waren die vorletzte Gruppe mit ca. 230 Teilnehmern, davon 70% Deutsche!!! 26 Grad, Sonne, Jukebox-Disko und los gings um 13 Uhr. Wir liessen uns gleich zurueckfallen, aber an jeder Bruecke staute es sich trotzdem. Nach 6 km der erste Imbiss: Rentierburger fuer 6 Euro, egal, rein damit! Und lecker! Die erste Etappe war 19 km lang und endete an der Kebnekaise-Huette unterhalb des Kebnekaise- Massives. Das ist der höchste Berg Schwedens mit 2104 m und 35 m dicken Gletscher on top! Unsere Rucksaecke waren zw. 14 (Kerstin) und 24 (Georg) Kilo schwer und verlangeten uns schon einiges ab. Abendbrot in Form von gefriergetrockneten Mahlzeiten und Rentierbesuch. Um 22 Uhr Zähneputzen und da kamen auch schon die Ersten aus der letzten Gruppe, die um 19 Uhr gestartet waren. Usch, die sind gerannt. Solche Freaks!!!

Am nächsten Morgen lautete die Parole: Checkpoint Singistugan (15km) Mittag, dann weitere 12,5 km zur Sälkästugan und Abendbrot!
Wir waren von halb zehn bis halb acht unterwegs. Gutes Wetter bis auf abends mal nen Schauer. Am 2. Checkpoint war sowas wie Basecampstimmung. Gute Laune, ueberall wurde gegessen und die Sauna lief und man konnte Bier kaufen!!!!

Von dort am nächsten Morgen, nach der ueblichen Blasenbehandlung der Berliner, gings dem höchsten Punkt des ”Rennens” entgegen. Ein Pass mit unglaublichen 1140m!! Ok, war ne ganz schöne Rampe. Aber einen Energieriegel gegessen und in 7 Min. hoch! Dann wieder runter und der armen Kerstin den Rucksack abgenommen und hoch Teil 2!!! Dann schlägt das Wetter um und es regnet den ganzen Abend und die Nacht durch. Am zweiten Punkt des Tages machten wir 2 Stunden Pause und quatschten mit Schwaben, Henningsdorfern und Freiberger Sachsen bei Kaffee und Naschwerk. Dann gehts nochmal ne Stunde weiter und wir bauten unser Zelt in Milliarden von Muecken und Stechfliegen auf.
Die letzten 2 Etappen verlangten alles von den Wanderern unserer Equipe ab. Entzuendete Achillessehnen, Blasen an den Fuessen und Knieprobleme lassen das Ziel in weite Ferne ruecken. Bis zum 1. Checkpoint des Tages waren es 17,5 km und dort schleppten wir uns hin, um von den Funktionären mit leckeren Pfannkuchen empfangen zu werden. Die Stimmung stieg daraufhin wieder. Von dort aus waren es bis ins Ziel nochmal 17,5 km. Mir gings gut, bis jetzt keinerlei Beschwerden ausser rucksackbedingten Nackenverspannungen. Wir wollten noch ein paar Kilometer gehen um dann am nächsten Tag das Ziel bis zum Mittag zu erreichen. Aber es wurde ein blut-, schweiss- und vor allem tränenreicher Nachmittag bzw. Abend. Es fing an zu regenen und wir bewegten uns durch Birkenwälder mit null Ausblick. Wir wurden ueberholt aufgrund unserer Fussschmerz bedingten Langsamkeit. Auch ich bekamm Blasen, weil ich während der Pause auf Struempfen rumlief und somit Dreck mit im Schuh war. 2 nette Jungs borgten uns Wanderstöcke fuer die Mädels, um sie zu entlasten. Bis zum Zeltplatz waren es nur noch nur ein paar Km, aber die Stimmung war im Keller. Dann standen wir an einer Kreuzzung: 3Km zum Zeltplatz, 5km ins Ziel und keiner kann mehr. Es wird abgestimmt und entschieden, dass wir es in Ziel versuchen. Ich trug mit Georg Kerstins Rucksack, aber ihre Schmerzen sind zu gross. Sie läuft seit zwei Tagen (45 Km) mit Sandalen an Stelle von Wanderstiefeln, aufgrund beiderseitigen Achillissehnenschmerzen. Es wird geheult und geflucht und nach 2,5 Std. hören wir Musik und sehen die Bahnstrecke der Eisenerzbahn von Kiruna nach Narvik. Es sind nur noch 550m und alle Reserven werden angezapft. Wir kommen an den ersten Zelten vorbei und werden freundlich von den vor uns angekommenen begruesst. Dann biegen wir auf die Zielgrade ein und die Band im Partyzelt spielt einen Hit, aber keiner klatscht der Band zu, sondern alle klatschen und jubeln nur fuer uns!!! Es wird ein Triumpflauf! Der Jubel der Massen trägt uns ueber die Ziellinie und man weiss gar nicht richtig was mit einem passiert. Es ist 21uhr 32, es regnet in Strömen! Die Funktionäre reichen uns ihre Hände und gratulieren. Wir bekommen ein Glas Apfelsaft und unsere Medaillen. Silber!!!! Total erschöpft aber gluecklich sind wir da. 110Km liegen hinter uns und alle Strapazen fuers Erste vergessen! Das jetzt nochmal Zeltaufbau, Duschen, Biertrinken und Quatschen mit anderen Wanderern und etliches Organisieren zwecks morgentlichem Bus nach Kiruna und die Weiterreise 800km nach Gussvattnet bevorsteht, das intressiert an dieser besonderen Stelle des Abends niemanden unserer 4 köpfigen Reisetruppe!
PS: Wir waren 80 Stunden und 29 Minuten unterwegs, davon 27 Stunden und 47 Minuten reine Laufzeit! und 2 kilo abgenommen hab ich auch…